Montag, 12. August 2013

Ravel Ravel Unravel



Der albanische Künstler Anri Sala bespielt in diesem Jahr auf der 55. Biennale di Venezia den Französischen Pavillon unter der kuratorischen Leitung von Christine Macel, Chefkuratorin des Centre Pompidou.

Wegen des 50-jährigen Bestehens des Élysée-Vertrags findet der französische Beitrag im Deutschen Pavillon statt. Man betritt das Gebäude nicht über die zentrale Eingangstür, diese ist sogar nicht einmal mehr sichtbar durch eine vorgezogene Gipswand, sondern über eine Rampe auf der linken Seite. Eine sehr gelungene Negierung der Symmetrie und Zentralisierung der Architektur findet sich auch im Inneren: Es wurden zwei raumhohe, abgerundete Wände eingesetzt, die sich im mittleren Raum überlappen und den Eingang zu Ravel Ravel bilden. Der Besucher bekommt so eine ganz neue Orientierung in den Räumen, wird entlang der runden Wände durch die Ausstellung geleitet und man bemerkt erst jetzt wie hoch das Gebäude eigentlich ist. Wie Macel im Monopol Interview sagte, haben allein die Erfordernisse, die eine Sound-Installation mit sich bringt, die Gestaltung des Pavillons bestimmt, es gibt keine Verweise auf die Geschichte des Gebäudes. Bemerkenswert, mit was für einer Leichtigkeit die Franzosen dieses Thema angehen.
 
 

 
 
 

Im mittleren Teil befindet sich also die Sound-Installation Ravel Ravel in einem schalldichten Raum aus kristallin geformten Schaumstoffwänden. Zu sehen sind zwei Filme, auf leicht zu einander versetzten Bildschirmen. Beide zeigen das Konzert für die linke Hand für Klavier und Orchester, das der französische Komponist Maurice Ravel für den kriegsversehrten Paul Wittgenstein schrieb, der seinen rechten Arm an der Front verloren hatte. Ravel Ravel bezieht sich einerseits auf den Namen des Komponisten aber auch auf das englische Verb to ravel – etwas verwirren, sich verheddern. Man hört und sieht beide Interpretationen des Konzerts parallel von zwei Pianisten gespielt, aber ihre Tempi unterscheiden sich. Mal sind sie im Gleichklang, mal zeitlich versetzt, bilden Echos und holen einander wieder ein. Ebenso verläuft die Choreographie der Hände, manchmal sieht es sogar so aus als würden sie zu einer Hand werden, die über beide Bildschirme reicht. Aber wenn man das Konzert nicht kennt, bemerkt man nicht dass es verdoppelt wurde, ihr Spiel vermischt sich. In den Seitenräumen sieht man dann Chloé, sie ist DJ und Musikproduzentin, die unter dem Titel Unravel versucht die beiden Interpretationen an einem Mischpult wieder zu entwirren und zu synchronisieren. Einmal nur ihr Gesicht in Nahaufnahme, einmal im zentralen leeren Raum des Pavillons aufgenommen, in dem eine sehr ausgeprägte Akustik herrscht und der jetzt durch den schalldichten Ravel Ravel Raum ersetzt ist. Es ergibt sich ein sehr subtiles Zusammenspiel von Gegensätzen und Gleichklängen, Körpersprache, Raum- und Zeitgefühl. Der Pavillon ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass zeitgenössische Kunst nicht immer hyperkonzeptuell und theoretisch aufgeladen sein muss oder sollte, sondern auch ohne viel Hintergrundwissen der Besucher eine ganz besondere Erfahrung machen kann. Gleichzeitig versteht es Anri Sala aber auch, sein Werk inhaltlich so zu gestalten, das man bei genauem Beobachten noch viel entdecken kann, dass sein Werk auf sehr vielen Ebenen funktioniert.

 
 
 


My favourite pavilion!

55. Biennale di Venezia 01.06. – 24.11.2013



 

Dienstag, 30. Juli 2013

Dienstag, 23. Juli 2013

Mittwoch, 3. Juli 2013

Identität, Nationalität, Diversität – Der Deutsche Pavillon 2013




Welche Bedeutung hat persönliche, kulturelle oder politische Identität und Nationalität in einem globalisierten Zeitalter?  Der Deutsche Beitrag auf der Venedig Biennale 2013 will bestehende Denkmuster öffnen und präsentiert sich in einer Gleichzeitigkeit von Verschiedenem jenseits nationaler Grenzen. Einen Teil dieses transnationalen Ansatzes bildet der diesjährige Pavillontausch mit Frankreich. Das Modell der Länderpavillons ist charakteristisch für die Venedig Biennale und bestenfalls soll damit der state of contemporary art des jeweiligen Landes gespiegelt werden. Viele Jahre gab es bereits Gespräche über einen möglichen Pavillontausch, dieses Mal gibt es einen besonderen Anlass ihn in die Tat umzusetzen: Der Élysée-Vertrag von 1963 zwischen Konrad Adenauer und Charles de Gaulle, der die deutsch-französische Freundschaft nach dem Zweiten Weltkrieg besiegelt hat, feiert 50-jähriges Jubiläum. Es soll nur eine spielerische Geste sein, dennoch ist dies in der Geschichte der Biennale bisher einmalig und endlich darf der Deutsche Beitrag sich einmal eine Runde ausruhen mit der Frage nach der Bespielung von nationalsozialistischer Architektur. Indirekt ist das Gebäude des Deutschen Pavillons trotzdem eingebunden in der Sichtachse aus den mittleren Ausstellungsräumen des Französischen Pavillons. Das Gebäude des Deutschen Pavillons bespielt der französisch-albanische Künstler Anri Sala unter der kuratorischen Leitung von Christine Macel. Für das transnationale Ausstellungskonzept Deutschlands hat die Kuratorin Susanne Gaensheimer vier Künstler ausgewählt, die sich mit zeitgenössischen Fragestellungen zu Kunst und (Inter)- Nationalität beschäftigen: Ai Weiwei aus China, den französisch-iranischen Künstler Romuald Karmakar aus Deutschland, Santu Mofokeng aus Südafrika und Dayanita Singh aus Indien. Allen vier Künstlern ist gemein, bestehende Ideen von Identität und Nationalität zu hinterfragen. Jeder von ihnen hat einen besonderen Bezug zu Deutschland, sei es Ai Weiweis Lehrauftrag an der UdK Berlin oder die jahrelange enge Zusammenarbeit mit deutschen Verlagen und Sammlungen bei Mofokeng und Singh.
Die Installation „Bang“ von Ai Weiwei besteht aus 886 3-beinigen antiken Holzhockern, die durch eine bestimmte Stecktechnik eine rhizomatische raumgreifende Struktur entwickeln. Der Künstler fing an diese Hocker zu sammeln um sich mit der künstlerischen Tradition und Geschichte seines Landes auseinanderzusetzten. In jedem chinesischen Haushalt war früher mindestens ein solcher Holzhocker zu finden, immer individuell gebraucht und er wurde sogar an Hochzeiten von Generation zu Generation als Familiengeschenk weitergegeben. So stehen die Hocker zwischen Standardisierung und Individualität. In der Installation ist jeder Einzelne ein Teil der wachsenden Struktur und steht als Metapher für das Individuum und sein Verhältnis zu einem System. Santu Mofokeng bespielt seinen Raum mit vier fotografischen Serien. In der Arbeit „Black Photo Album“ dokumentieren gesammelte Portraitfotografien die bürgerliche Selbstdarstellung in Afrika seit Ende des 19. Jahrhunderts. In den weiteren Serien beschäftigt sich Mofokeng mit der Beziehung von Landschaft und Spiritualität und der geschichtlichen Aufarbeitung der gesellschaftlichen Unterdrückung in der Apartheid. Romuald Karmakar zeigt konzeptuelle Kurzfilme und Dokumentarfilme, in denen er sich mit der deutschen Geschichte, insbesondere aus der Täterperspektive auseinandersetzt. Nationale Identität wird beweglich und zu einer nicht mehr eindeutig definierbaren Angelegenheit, ebenso wie sich Ideologieprozesse nicht geographisch beschränken lassen. Dayanita Singhs künstlerisches Medium ist das Buch. Ihren Raum bespielt sie mit gerahmten Büchern mit Fotografien von Archiven, Diaprojektionen und einem wie sie selbst sagte „atmenden Filmstill“. Archive haben für sie auf der einen Seite eine sehr anziehende Wirkung als Ort des kulturellen Gedächtnis, auf der anderen Seite stellen sie eine unheimliche Belastung dar, hier liegt geschriebene Geschichte, die irgendwann aufgearbeitet werden muss. Der Filmstill „Mona and Myself“ behandelt die Frage nach Identität nochmal auf eine ganz andere Weise, nämlich was es bedeutet, wenn man gar keine gesellschaftliche Zugehörigkeit mehr besitzt.


 
© Roman Mensing, artdoc.de in Zusammenarbeit
Thorsten Arendt, artdoc.de

Im Pavillon stehen dieses Jahr vier Positionen nebeneinander, eine Auswahl aus vielen weiteren, die man in diesem Kontext hätte zeigen können und jede verhandelt die Frage nach nationaler Identität anders. Es ist notwendig scheinbar festgeschriebene Begriffe zu hinterfragen und manchmal aufzubrechen. Was ist „Deutsch-Sein“ und gibt es das überhaupt? Sind solche national definierten Denkkategorien nicht längst obsolet? Es ist kein neuer, aber wahrscheinlich ein endloser Diskurs.

 

Montag, 1. Juli 2013

SUPER-Sale @ Projekt 3!


…Dass jetzt gerade überall Sale die Läden beherrscht, ist ja kein Geheimnis. Aber oft hat man dann das Gefühl, die Stores wollen ihre alten Sachen an den Mann/ Frau bringen.
Als ich Samstag beim shoppen war, war ich auch in der Schellingstraße unterwegs und hier mein Tipp für euch: GEHT SCHNELL ZU PROJEKT 3!!
Hier sind echt tolle Sachen super reduziert! Auch ich habe ein paar schöne Teile erstanden:

Also beeilt euch und viel Spaß beim Schnäppchen machen!